Statistik und Deportation
der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich

Leipzig - Chemnitz - Dresden - Sudetenland nach Auschwitz

Abfahrtsdatum: 13.07.42, Deportierte: 363 (nur Sudetenland, Gesamtstärke: ?)

Die Bezirksstelle Sudetenland der Reichsvereinigung mit Sitz in Aussig war bis zum November 1942 eigenständig und wurde dann als Verwaltungsstelle Aussig in die Bezirksstelle Mitteldeutschland mit Sitz in Leipzig eingegliedert. Zum Bereich der Bezirksstelle gehörte das 1938 eingegliederte Territorium ohne die mit der Schaffung des Reichsgaus Sudetenland am 14.4.39 an Schlesien, Bayern sowie die Reichsgaue Oberdonau und Niederdonau gegangenen Gebiete. Aus dem Sudetenland sind zwei größere Transporte in den "Osten" bekannt. Am 13.7.42 verließ ein erster Transport mit den jüngeren Juden aus den Regierungsbezirken Aussig und Eger das Sudetenland in Richtung Auschwitz, während die Menschen aus dem Regierungsbezirk Troppau am 27.2.43 abtransportiert wurden (siehe hier).


Durch den Bürgermeister von Teplitz-Schönau wurde in einem Amtsvermerk am 8.7.42 notiert: "Heute rief mich Oberinspektor Hess von der Gestapo an und teilte mir mit, daß jetzt mit der Evakuierung der Juden begonnen werde. Ausgenommen seien zunächst die Juden, die in Mischehe leben und die keinen Stern tragen, ältere Personen und solche unter 14 Jahren. Sie werden zunächst gesammelt, der erste Transport soll am Montag, den 13.7.1942, abgehen... Von der Kanzlei der Reichsvereinigung habe ich dazu noch erfahren, wer von den Juden zunächst abgeschoben wird. Es sind etwa 60 aus Teplitz-Schönau. Sie werden von Freitag, den 10.7.1942, an im Hause "Zur Krone", H.-Göring-Strasse, gesammelt und sollen am Montag abtransportiert werden." [SOkA Teplice, AM Teplice 5569, kt. 496, Nr. 660/4].


Die Namen und Zahl der am 13.7. aus Teplitz-Schönau deportierten Juden können aus den handschriftlichen Vermerken in einem von der Bezirksstelle Sudetenland der Reichsvereinigung aufgestellten Verzeichnis der jüdischen Wohnungen und ihrer Bewohner nach dem Stand von Ende Mai 1942 ermittelt werden. Von den dort insgesamt aufgeführten 165 Personen wurden nachträglich 62 Namen mit einem Häkchen gekennzeichnet. Bei ihnen handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um die am 13.7. abtransportierten Menschen. Dies ergibt sich durch einen Vergleich mit den Angaben in Schreiben der Bezirksstelle Sudetenland an den Bürgermeister vom August 1942, darunter "Vorschläge ... über die Umsiedlung der in Teplitz-Schönau verbleibenden Juden" und ein "Verzeichnis der in Teplitz-Schönau frei gewordenen jüdischen Wohnungen". Die genannten Dokumente sind hier reproduziert. Die Originale befinden sich im Státní okresní archiv Teplice, Bestand Archiv města Teplice, kt. 496, Nr. 660/4.

In Aussig hatten sich die für den Transport eingeteilten Menschen auf dem Schulhof am Langenmarckplatz einzufinden. Am Abend des 13.7. wurden sie einem Zug mit jüdischen Menschen aus dem Sammellager Dlaschkowitz bei Leitmeritz angeschlossen. Die Zeugin Olga Staňková erinnerte sich nach dem Krieg: "Am 13. Juli mussten alle aus dem Lager zu Hause bleiben, niemand durfte auf Anordnung der Gestapo zur Arbeit. Gegen Mittag mussten sich etwa 60 Personen (die Hochbetagten blieben) auf den Transport vorbereiten und mit diesem Transport gingen auch meine Kinder - 13 und 15 Jahre - weg. Sie gingen tapfer mit dem Transport nach Podseditz zum Zug. Später habe ich erfahren, dass sie nach Aussig fuhren. Wo dieser Transport endete, habe ich jedoch nicht erfahren." [T. Fedorovič, Theresienstädter Studien und Dokumente 2005, 276-315]


Über den weiteren Verlauf der Deportation sind nur wenige Angaben bekannt. So gab ein leitender Beamter der Gestapostelle Reichenberg nach dem Krieg zu Protokoll, im Sommer 1942 gehört zu haben, dass auf dem Bahnhof in Reichenberg ein Zug mit Juden halt gemacht habe, der weiter in Richtung Osten fuhr, angeblich nach Görlitz. Olga Kronach sagte vor Gericht aus, dass sie in einem Gespräch mit einem Beamten erfahren habe, dass ihre Mutter mit dem Transport nach Auschwitz deportiert worden sei [T. Fedorovič, Theresienstädter Studien und Dokumente 2005, 276-315]. Auf den Meldekarten der Aussiger Polizei finden sich bei einer Anzahl von Personen unter dem Datum 13.7.42 lediglich Hinweise wie "abgewandert mit Ziel unbekannt", "abgemeldet mit unbekanntem Ziel" oder "nach unbekannt verzogen." [T. Fedorovič, Theresienstädter Studien und Dokumente 2001, 269-286] Bei Karl Josef Löwy heißt es: "vermutlich am 13.7.42 nach Polen abtransportiert" [T. Fedorovič, V. Kaiser, Historie židovské komunity v Ustí nad Labem, Ustí nad Labem 2005, S. 73].


Die zeitlichen und örtlichen Begebenheiten sprechen dafür, dass der Transport aus dem Sudetenland einem Sammeltransport mit 338 Juden aus Süddeutschland, Luxemburg und Sachsen angeschlossen wurde, der laut Planung am 13.7. um 24 Uhr von Chemnitz abgefahren ist (siehe hier). Transportlisten für den Teiltransport aus dem Sudetenland sind nicht bekannt. Die Zahl der Deportierten kann jedoch aus der Statistik der Reichsvereinigung ermittelt werden. Diese verzeichnete im Juli 361 und, vermutlich in einer Nachmeldung, im August 2, insgesamt 363 Menschen. Der Sammeltransport hatte nach dem Anschluss der Juden aus dem Sudetenland demnach eine Stärke von 701 Menschen. Am 14.7. wurde dazu noch ein Teiltransport aus Oberschlesien zugeführt (siehe hier), so dass schließlich mehr als 900 Menschen in Auschwitz eingetroffen sind. Häftlingsnummern sind für diesen Deportationszug nicht vergeben worden, so dass davon ausgegangen werden muss, dass sämtliche Insassen nach der Ankunft ohne Selektion von Arbeitsfähigen ermordet wurden.


Ein Großteil der Namen der am 13.7.42 aus dem Sudetenland deportierten Menschen kann aus den Unterlagen des Oberfinanzpräsidenten Dresden ermittelt werden, der für die Verwaltung und Verwertung des jüdischen Vermögens in den Regierungsbezirken Aussig und Eger zuständig war. Die Auswertung eines im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden befindlichen Aktenverzeichnisses des OFP mit Angaben zum Namen und letzten Wohnort der erfassten Personen lässt den Schluss zu, dass für die Deportierten des Transports vom 13.7. Aktennummern von 582 bis 820 vergeben wurden [HStA Dresden, Bestand 11177/126]. Unter Berücksichtigung vereinzelter Unklarheiten lassen sich so die Namen von 318 Juden ermitteln, davon 275 aus dem Regierungsbezirk Aussig und 43 aus dem Regierungsbezirk Eger. Allein 69 Deportierte kamen aus Teplitz-Schönau und damit mehr, als im Wohnungsverzeichnis der Reichsvereinigung angegeben (siehe oben). Aus Aussig wurden zumindest 32 Juden deportiert und das als Sammelunterkunft für Juden aus Aussig und Umgebung dienende Schloss Schönwald ist für 22 der Deportierten als letzter Wohnort angegeben. Insgesamt 56 Orte sind in der Liste des OFP verzeichnet.

Deportierte vom 13.7.42 aus dem Sudetenland






Altrohlau

Buschullersdorf

Hawran

Rumburg

Klein, Auguste

Aschenbrenner, Ida

Lewkowicz, Sofie

Rindskopf, Rudolf

Riesenfeld, Jakob

Koralek, ALice

Böhm, Josef

Purm, Hans Rudolf


Riesenfeld, Ella

Kral, Emanuel

Buxbaum, Heinrich


Hochpetsch

Riesenfeld, Hanna

Lampl, Siegmund

Buxbaum, Ida

Deutsch Zlatnik

Glässner, Sidonie


Löbl, Pauline

Ehrlich, Arthur

Abeles, Berthold

Lederer, Emil

Schelesen

Löbl, Rosa

Fink, Hedwig

Abeles, Hermine


Heller, Irma

Löbl, Anna

Hermann, Else


Horschenz

Heller, Oskar

Löwenthal, Leopold

Herschmann, Olga

Dlaschkowitz

Heller, Rosa

Heller, Elsa

Löwenthal, Hanna

Klauber, Paul

Dubsky, Otto


Arnstein, Hedwig

Löwit, Ida

Klauber, Rudolf

Dubsky, Suse

Karbitz


Löwy, Hermann

Klam, Hermine

Fischer, Rudolf

Gronewetter, Wilhelm

Schönwald

Meisel, Wilhelmine

Löbl, Ernst

Hirsch, Albert


Goldberger, Marie

Mendl, Walter

Löbl, Rosa

Jantsch, Hermine

Kaunowa

Graf, Hildegard

Midas, Grete

Löwi, Amalie

Lehnert, Hildegard

Aschenbrenner, Ernst

Grünfeld, Karl

Midas, Ernst

Mautner, Richard

Pick, Julius


Herlinger, Margarete

Neumann, Erich

Michaelis, Frieda

Pick, Richard

Komotau

Hermann, Paul

Neuner, Berta

Rotschild, Pauline

Pohatschka, Regina

Hahn, Anna

Hutterer, Friedrich

Pollak, Elisabeth

Samuel, Flora

Singer, Alexander

Poppe, Rosa

Kraus, Frieda

Pollak, Pauline

Schwarz, Mathilde

Singer, Martha

Pfeffer, Franziska

von Ladek, Sarolta

Robitschek, Leopold

Strauß, Rosa

Singer, Lieselotte


Lehnert, Paul

Sabath, Else

Vogl, Berta

Singer, Emma

Königsberg/Eger

Löwy, Ida

Sabath, Alice

Wilhelm, Marie

Singer, Ruth

Adler, Rosa

Löwy, Helene

Sabath, Käthe


Steiner, Hugo


Löwy, Karl

Schladnich, Rosa

Aussig

Steiner, Ernestine

Leitmeritz

Oplatka, Elsa

Schulhof, Hugo

Altmann, Emil

Wanka, Ida

Fischer, Emma

Oplatka, Franz

Schwabach, Charlotte

Altmann, Melida

Weiß, Emma

Fischer, Alois

Reichmann, Hilde

Sommer, Ida

Altmann, Hans

Weiß, Paula


Swetlik, Irma

Wantuch, Marianne

Altmann, Paul

Pick, Max

Liebshausen

Schnitzer, Gertrud

Wantuch, Robert

Buxbaum, Laura


Hauptvogel, Marie

Schnitzer, Hedwig

Wantuch, Kamilla

Buxbaum, Oskar

Drahomischl


Stern, Sidonie

Weber, Frieda

Buxbaum, Paula

Mühlstein, Rosa

Lischnitz

Unger, Otto

Weiß, Rosa

Choboky, Enanuel


Kohn, Irma

Unger, Helene

Wiener, Alfred

Ennemoser, Stefanie

Edersgrün


Singer, Emma

Wohl, Irma

Glässner, Berta

Geschmy, Marie

Lobositz


Zettl, Marie

Glässner, Marianne

Lewinsohn, Siegfried

Beer, Rosa

Simmer


Glässner, Franz Peter

Zentner, Julie

Beer, Otto

Weiß, Erwin

Trautenau

Glässner, Hans Friedrich

Zunterstein, Adelheid

Beer, Rudolf

Weiß, Olga

Block, Paula

Grünbaum, Gertrud

Zunterstein, Ida


Weiß, Eleonore

Gottlieb, Gebriele

Hahn, Irma


Mantau


Königer, Josefine

Heller, Emma

Eichwald

Ertl, Else

Soborten

Maschek, Elfriede

Heller, Richard

Schillinsky, Luise


Czap, Johanna

Nettl, Richard

Kraus, Gisela


Marienbad

Frankenfeld, Ignatz

Singer, Elsa

Löwenbein, Rudolf

Eidlitz

Frankl, Frieda

Frankenfeld, Adele

Schassel, Nelly

Löwit, Otto

Kann, Hulda


Frankenfeld, Marta


Löwit, Marie


Marschendorf

Hutterer, Elsa

Trpist

Löwit, Gerda

Eulau

Heller, Otto

Hutterer, Richard

Gutfreund, Wilhelm

Löwit, Walter

Böhm, Max

Heller, Anna



Löwit, Hanna

Böhm, Hermine


Swojetin

Tschernoschin

Schärf, Ernst


Mies

Hübner, Marie

Schwarz, Hedwig

Schladnich, Bruno

Gablonz

Heller, Helene



Schladnich, Erna

Fantl, Marta


Teplitz-Schönau

Turn

Schönfeld, Paul

Gartenzaun, Ida

Nieder Adersbach

Adler, Ludwig

Diamant, Mathilde

Tänzerles, Marie

Gartenzaun, Alfred

Gottlieb, Friedrich

Adler, Rosa

Fischl, Else

Zimmels, Ruth

Jäckel, Felicin

Gottlieb, Franziska

Beckmann, Otto

Glatter, Martha

Mai, Marta

Götz, Sofie

Gottlieb, Marie

Beckmann, Helene

Konjirsch, Arthur

Österreicher, Hermine

Kallmus, Irma


Beckmann, Herbert

Körner, Marie


Lipa, Rosa

Noinitz

Beckmann, Walter

Liewerand, Satine

Bodenbach

Löbl, Wilhelm

Flor, Berta

Bergmann, Arnold

Löwy, Wilhelm

Kornfeld, Rudolf

Pick, Berthold

Flor, Robert

Bergmann, Sofie

Löwy, Hedwig

Pick, Otto

Pick, Adele


Blaufuß, Herta

Österreicher, Sofie

Pick, Marianne

Pick, Margarethe

Oberleutensdorf

Brandt, Rudolf

Österreicher, Peter


Silbermann, Hermann

Böhm, Hermine

Brayer, Samuel

Pausner, Ernst

Böhmisch Leipa

Singer, Antonie


Brayer, Klara

Saliter, Helene

Eisler, Elsa

Ullrich, Ida

Reichenberg

Brayer, Daisy

Schick, Selma

Fleischner, Gottfried

Wagner, Elvira

Bittner, Herbert

Breitenfelder, Grete

Simmler, Olga

Schönfeld, Hermine

Wischnitzer, Sophie

Geppert, Mathilde

Eckstein, Hulda

Spitzer, Olga

Schreiber, Fritz

Raschovsky, Josef

Groß, Pauline

Eckstein, Paula

Springer, Irma

Schreiber, Jenny


Heim, Henriette

Edinger, Marie

Steiner, Otto


Gastorf

Macoun, Marie

Edinger, Georg

Steiner, Irma

Bruch

Weiß, Else

Neuhut, Emma

Edinger, Agathe


Brandeis, Leopold

Weiß, Peter

Purm, Josef

Ehrlich, Anna

Vlko

Brandeis, Irma


Purm, Olga

Fischer, Hilde

Heller, Hermine


Gibacht

Rein, Max

Fleischer, Emil


Brüx

Gutfreund, Albert

Schubert, Oskar

Fleischer, Melatti

Warnsdorf

Altschul, Irene

Gutfreund, Karoline

Schubert, Alfred

Gamperle, Rosa

Beutler, Olga

Berenek, Olga

Gutfreund, Theresia

Schnaps, Karl

Gartenberg, Regina

Epstein, Hermine

Fischer, Alfred



Grimm, Karl


Fischer, Klara Marie

Görkau

Reichstadt

von Hauck, Gynna

Wiesengrund

Fischer, Theresia

Steiner, Elsa

Keibl, Eleonore

Hirsch, Frieda

Ehmig, Emma

Kohn, Else

Steiner, Alfred


Hocke, Frieda

Ehrenfreund, Robert

Kohn, Klara


Ringelshain

Holub, Heinrich

Stern, Friedrich

Lederer, Rosa

Großtschernitz

Kratzert, Marie

Honisch, Ida


Schneider, Martha

Kohn, Ida


Ickes, Gabriele

Wisterschan

Weiß, Emmy


Rissut

Ickes, Edith

Abeles, Flora



Bauch, Marta

Kantor, Julius


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